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Leishmaniose beim Hund - Ein Update

Die Leishmaniose beim Hund spielt inzwischen in Deutschland sowie in anderen Ländern Mitteleuropas eine bedeutende Rolle. Denn während die vektorenübertragene Erkrankung bislang vor allem in Mittelmeerländern als endemisch galt, hat sie sich nun auch deutlich nach Norden hin ausgebreitet. Im Beitrag erfahren Sie mehr zur aktuellen Situation. Im Fokus stehen besonders Diagnostik und Therapie.

Leishmanien sind parasitäre Einzeller, die beim Hund, anderen Säugetieren und auch beim Menschen als Erreger der Leishmaniose (L. infantum) vorkommen. Der Parasit nutzt als Vektor dämmerungs- und nachtaktive Sandmückenarten der Gattung Phlebotomus. Bekannte Reservoirwirte für Leishmania infantum sind Hunde und Wildkaniden, allerdings lassen sich auch bei Pferden und Katzen Seroprävalenzen finden, sodass sich die Frage stellt, ob auch diese Tierarten möglicherweise als Reservoirwirte fungieren.

Seroprävalenzstudien zufolge sind rund 2,5 Millionen Hunde im Mittelmeerraum infiziert – da die meisten Tiere jedoch subklinisch sind, ist von weit höheren Infektionszahlen von 70 bis 90 Prozent in Endemiegebieten auszugehen. Untersuchungen gehen in Deutschland von etwa 100.000 infizierten Hunden aus, die Tendenz ist steigend, vor allem durch reisebegleitende Tiere und Importhunde. Inzwischen sind in Deutschland jedoch auch autochthone Fälle bei Hunden und vereinzelt auch beim Mensch bekannt, die sich nachweislich nicht in Endemiegebieten aufgehalten haben. Die Alpen stellen aufgrund der Klimaveränderungen keine natürliche Barriere mehr für Sandmückenarten dar, sodass sie auch in milden Regionen Deutschlands vorkommen. So wurde hierzulande Phlebotomus mascitii an verschiedenen Orten nachgewiesen. Zwar ist bislang nicht erwiesen, dass diese Art Leishmanien überträgt, Experten gehen jedoch davon aus, dass dies potenziell möglich ist. Daneben gibt es auch für Deutschland einen Nachweis der Sandmückenart Phlebotomus perniciosus, der nachweislich als Vektor für Leishmanien bekannt ist.

Leishmania infantum: Lebenszyklus

Im Wirt befinden sich Leishmanien als amastigote Form intrazellulär, in den Makrophagen. In den Phagolysomen vermehren sich diese Stadien, bis die Wirtszelle schließlich platzt und die Erreger sich weiter im Organismus verbreiten. Sie besiedeln dabei in erster Linie lymphoretikuläre Organe, wie Milz, Leber und Knochenmark. Während einer Blutmahlzeit der Sandmücke an einem mit Leishmanien infizierten Tier nimmt das Insekt die amastigoten Stadien auf. In der Sandmücke bilden sich anschließend extrazelluläre promastigote Stadien, die im vorderen Verdauungstrakt der Mücke replizieren und beim nächsten Saugakt mit dem Speichel der Sandmücke auf das Wirtstier übertragen werden. Im Wirt verlieren die Leishmanien ihre Geißeln, besiedeln wiederrum die Makrophagen, sodass sich der Entwicklungszyklus schließt.

Neben dem Hauptübertragungsweg durch die Blutmahlzeit infizierter Sandmücken sind außerdem diese Übertragungswege möglich:

  • Venerisch
  • Diaplazentar
  • Horizontal
  • Bluttransfusion

Welche Hunde sind besonders betroffen?

Am häufigsten erkranken Hunde im Alter zwischen zwei und vier Jahren sowie Tiere über sieben Jahre. Während für manche Rassen Prädispositionen bekannt sind – z. B. für Boxer, Deutsche Schäferhunde, Rottweiler und Cocker Spaniel – scheinen andere wie der Podenco Ibicenco immun gegenüber einer Erkrankung mit Leishmaniose zu sein.

Bestimmte Gendefekte (Slc11c1-Mutation, DLA-DRB1-Phänotyp) begünstigen zudem den Ausbruch der Leishmaniose.

Offenbar spielt auch die Reaktion des Immunsystems eine Rolle für den Ausbruch der Erkrankung. Verschiebt sich das Gleichgewicht von TH1-vermittelter Immunantwort in Richtung einer ausgeprägten TH2-vermittelten Immunreaktion, erkranken die Hunde. Dabei kommt es zur verstärkten Antikörperproduktion durch B-Zellen: Die damit verbundenen hohen Antikörpertiter gehen jedoch nicht mit einem vermehrten Schutz einher, sondern wirken schädigend. Es kommt zur Bildung von Autoantikörpern und Immunkomplexen mit entsprechenden Folgen wie Glomerulonephritis, Uveitis, Gelenkentzündungen usw.


Symptomatik

Leishmaniose ist aufgrund ihrer mitunter sehr langen Inkubationszeit heimtückisch. Erste Symptome sind frühestens drei Monate nach einer Infektion zu erwarten, die längste beschriebene Inkubationszeit beträgt sieben Jahre.

Zu den klinischen unspezifischen Symptomen zählen:

  • Geringere Belastbarkeit
  • Gewichtsverlust, Kachexie
  • Muskelatrophie
  • Polyurie/Polydipsie
  • Inappetenz
  • Diarrhoe
  • Epistaxis

Zusätzlich können auftreten:

  • Lymphknotenvergrößerung
  • Hautsymptomatik, z. B. exfoliative Dermatitis, Schuppenbildung, Alopezie, Brillenbildung, Ulzera, verstärktes Krallenwachstum
  • Bewegungsstörungen
  • Augenerkrankungen (Uveitis)
  • Splenomegalie
  • Fieber

Labordiagnostische Befunde bei Leishmaniose sind oft:

  • Hyperglobulinämie
  • Hypoalbuminämie
  • Proteinurie
  • Nichtregenerative Anämie
  • Thrombozytopenie
  • Transaminasenanstieg


Diagnostik

Für die Diagnostik der Leishmaniose sind grundsätzlich drei Verfahren relevant:

Parasitologisch:

Nachweis von amastigoten Stadien im Gewebe, z. B. anhand von Bioptaten (Makrophagen der Haut oder in Knochenmark, Lymphknoten, Milz, Haut etc.).

Molekularbiologisch:

Die PCR gilt als Goldstandard für den Nachweis einer Leishmanien-Infektion. Aufgrund der hohen Sensitivität ist die Realtime PCR mithilfe von Proben aus dem Knochenmark, den Lymphknoten, der Haut oder eines Konjunktivalabstrichs ratsam. Blut oder Urin sind hingegen weniger geeignet. Allerdings macht das Ergebnis keine Aussage über den immunologischen Status der Infektion, durch Kontamination können zudem auch falsch positive Ergebnisse entstehen.

Serologisch:

  • Qualitative Assays, z. B. Schnelltests
  • Quantitative Assays, wie IFA, ELISA
  • Konkretes diagnostisches Vorgehen
  • Quantitative Serologie (z. B. IFA, ELISA)

Symptomatischer Hund (nicht geimpft):

Bei positivem, drei- bis vierfach erhöhtem Titer: Beweisend für die canine Leishmaniose.

Negatives oder schwach positives Ergebnis: Zusätzlich zytologische bzw. histologische Untersuchung und PCR. Sind beide Ergebnisse negativ, muss nach einer anderen Krankheitsursache „gefahndet“ werden.


Asymptomatischer Hund (nicht geimpft, z. B. Tier aus Endemiegebiet):

Schwach seropositiv:

Testwiederholung und klinische sowie labordiagnostische Kontrollen alle drei bis sechs Monate. Hunde mit erhöhtem AK-Titer dürfen nicht geimpft werden!

Seronegativ:

Veranlassung einer PCR − ist diese positiv, erfolgen klinische und labordiagnostische Kontrollen alle drei bis sechs Monate. Seronegative, PCR-positive Hunde können gegen Leishmaniose geimpft werden!

Asymptomatische, schwach seropositive wie seronegative, PCR-positive Hunde werden zunächst nicht gegen Leishmaniose behandelt, sollten jedoch Repellentien zum Schutz vor einer potenziellen Erregerübertragung erhalten.

Leishmaniose-Therapie

Abhängig von der klinischen Symptomatik beziehungsweise dem Stadium der Erkrankung reichen die Maßnahmen von Abwarten und Überwachen des Krankheitsverlaufs, bis hin zu leishmanistatischen oder leishmaniziden Medikamenten. Eine Erregerelimination gelingt in der Regel nicht, eine klinische Heilung lässt sich in vielen Fällen jedoch erreichen.


Bei der Behandlung kommen leishmanizide und leishmanistatische Wirkstoffe zum Einsatz:

  • Megluminantimonat

Zu den leishmaniziden Medikamenten zählt der Wirkstoff Megluminantimonat. Die Behandlung erfolgt durch tägliche subkutane Injektionen über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen. Zu den bekannten Nebenwirkungen zählen, neben lokalen Reaktionen an der Injektionsstelle, eine potenziell nierenschädigende Wirkung sowie gastrointestinale Symptome. Es sind Resistenzen von Leishmanien gegenüber Megluminantimonat bekannt.


  • Miltefosin

Ebenfalls leishmanizid ist der Wirkstoff Miltefosin, der täglich über einen Zeitraum von vier Wochen oral verabreicht wird. Als unerwünschte Wirkungen stehen vor allem gastrointestinale Beschwerden im Vordergrund. Die Behandlung erfolgt zusammen mit dem Wirkstoff Allopurinol.


  • Allopurinol

Der leishmanistatische Wirkstoff Allopurinol wird über einen Zeitraum von sechs Monaten bis zu einem Jahr eingesetzt (zweimal täglich oral), idealerweise zusammen mit Miltefosin. Bei klinischer Symptomfreiheit und labordiagnostischer Heilung (d. h. AK-Titer seronegativ oder im Grenzbereich) des Patienten kann Allopurinol abgesetzt werden. Als Hauptnebenwirkung wird die Bildung von Harnsteinen (Xanthinsteinen) beschrieben. Daher ist eine purinarme Ernährung unter der Behandlung mit Allopurinol wichtig.

Mehr zur richtigen Ernährung für Hunde unter Leishmaniose-Therapie erfahren Sie in unserem Artikel „Leishmaniose-Therapie: Welche Rolle spielt die richtige Diät?“.

Allopurinol sollte abgesetzt werden bei Hunden, die unter der Behandlung trotz einer reduzierten Dosis eine Urolithiasis entwickeln. Auch für Allopurinol sind Resistenzen bekannt.


  • Domperidon

Der Wirkstoff Domperidon ist ein Dopaminrezeptor-Antagonist, der die Bildung von Prolaktin in der Hypophyse anregt. Prolaktin wirkt proinflammatorisch und verschiebt die TH2-vermittelte Immunreaktion in Richtung einer TH1-Antwort. Studien zeigen einen Effekt auf die AK-Titer, die unter der Behandlung absinken, z. T. bis unter die Nachweisgrenze. Als Nebenwirkungen sind eine Galaktorrhoe und milde, selbstlimitierende gastrointestinale Symptome bekannt.


  • Alternative Präparate

Als alternatives Mittel steht ein Futterergänzungsmittel aus Nukleotiden und Pilzextrakt (Active Hexose Correlated Compounds, AHCC) zur Verfügung, welches in Untersuchungen einen positiven Effekt auf die Symptomatik, nicht jedoch auf die Höhe der AK-Titer zeigte. Es kann als Alternative zu Allopurinol zusammen mit Megluminantimonat eingesetzt werden. Es besteht kein Risiko für die Entstehung einer Urolithiasis.


Empfehlungen zum Monitoring während und nach der Leishmaniose-Therapie

Schwach seropositive Hunde mit geringen Krankheitssymptomen sollten regelmäßig klinisch untersucht und deren Laborparameter sollten erhoben werden, sie benötigen jedoch zunächst keine Behandlung.

Es ist empfehlenswert, seropositive Tiere mit deutlichen Krankheitssymptomen (Hautläsionen, exfoliative Dermatitis, Ulzera, Krallenveränderungen, Inappetenz, Gewichtsverlust) und geringgradig pathologischen Laborbefunden, jedoch normalem Nierenprofil sowohl leishmanistatisch als auch leishmanizid zu behandeln. Die zur Verfügung stehenden Wirkstoffe sind Allopurinol und Megluminantimonat.

Seropositive Hunde mit mittleren oder hohen Antikörper-Titern, die schwere Krankheitssymptome aufweisen, und die zusätzlich Anzeichen von Immunkomplexablagerungen (z. B. Glomerulonephritis, Uveitis) aufweisen, sollten ebenfalls mit Allopurinol und Megluminantimonat oder Miltefosin behandelt werden.

Der Grad der Nierenschädigung bei Leishmaniose erkrankten Hunden hat auch eine Aussagekraft hinsichtlich der Prognose. So zeigte eine Untersuchung, dass 75 Prozent der Hunde, die zum Zeitpunkt der Diagnose noch keine Nierenerkrankung aufwiesen, nach vier Jahren noch am Leben waren. Bestand zum Diagnosezeitpunkt eine Azotämie, war nach einem Jahr bereits jeder zweite Hund verstorben, und bei einem vorliegenden nephrotischen Syndrom betrug die Überlebenszeit nur wenige Tage bis Wochen.


Fazit

Die Leishmaniose breitet sich über die Grenzen der bisherigen Endemiegebiete hinweg aus. In der Diagnostik lässt sich feststellen, dass hohe Antikörper-Titer mit dem Schweregrad der Erkrankung betroffener Hunde korrelieren. Als Haupttodesursache der Leishmaniose beim Hund gilt die Niereninsuffizienz. Je nach Schwere der Erkrankung lassen sich die klinischen Symptome in vielen Fällen gut kontrollieren, zu einer Elimination des Erregers kommt es jedoch meist nicht.

Zur Vorbeugung der Leishmaniose ist ein multimodales Prophylaxe-Schema sinnvoll.

Dazu zählen

  • Expositionsprophylaxe (Hunde in gefährdeten Gebieten während der Dämmerung und Nacht drinnen halten, Repellentien während der gesamten Mückensaison anwenden)
  • Mikrohabitate für Phlebotomen vermeiden, z. B. Holzstöße und Steinhaufen in Hausnähe)
  • Impfung seronegativer Hunde vor Aufenthalten in gefährdeten Gebieten – allerdings bieten die Impfungen keinen Schutz vor einer Infektion

Quellen:

Webinar Dr. Johannes Zitzl, Justus-Liebig-Universität: Leishmaniose Update. Oktober 2020, akademie.vet

Informationen der Veterinärmedizinischen Fakultät Madrid LeishVet: http://www.leishvet.org/wp-content/uploads/2018/09/DE-Guidelines.pdf (Abruf: November 2020)

Informationen der Europäischen Vereinigung von Veterinärparasitologen (ESCCAP): https://www.esccap.de/v2/wp-content/uploads/2020/09/2018-ESCCAP-Vektoren_01.pdf (Abruf: November 2020)

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